Als er mitten in der Nacht erwachte, schlug sein Herz, daß er davor erschrak. Denn die Frau, die neben ihm lag, lachte, daß es klang, als sei der Jüngste Tag.
Und er hörte ihre Stimme klagen. Und er fühlte, daß sie trotzdem schlief. Weil sie beide blind im Dunkeln lagen, sah er nur die Worte, die sie rief.
Henri Gervex 1852-1928 – Rolla
„Warum tötest du mich denn nicht schneller?“ fragte sie und weinte wie ein Kind. Und ihr Weinen drang aus jenem Keller, wo die Träume eingemauert sind.
„Wieviel Jahre willst du mich noch hassen?“ rief sie aus und lag unheimlich still. „Willst du mich nicht weiterleben lassen, weil ich ohne dich nicht leben will?“
Ihre Fragen standen wie Gespenster, die sich vor sich selber fürchten, da. Und die Nacht war schwarz und ohne Fenster. Und schien nicht zu wissen, was geschah.
Ihm (dem Mann im Bett) war nicht zum Lachen. Träume sollen wahrheitsliebend sein … Doch er sagte sich: „Was soll man machen!“ und beschloß, nachts nicht mehr aufzuwachen. Daraufhin schlief er getröstet ein.
Tausend Münder kannst du küssen, tausend Lippen; tausend Zungen kannst du spüren. Niemals findest du den Mund, der dich geküsst wie meiner, der dich völlig löste von der Welt, der dich fern in tausend Himmel trug. – so küsst dich keiner!
An deinen Lippen hing ein Beben, als küsst’ ich tausend Lippen. Ich streichelte die Wangen dir wie Samt, und deine Stirn liebkoste ich wie Seide. Aus deinem Mund hab ich mich satt getrunken, er labte mich noch süßer als der Wein. Und deine Augen, wie ein Ort, versunken, zog mich in tiefste Harmonien hinein.
Nun lieg ich auf dem Grund des Tränensees, ertrunken, mich hat die Welle fort von dir getragen. In deine Arme war ich hin gesunken, achtlos und schwach hast du mich fallen lassen, in tausend Höllen.
Das, was noch vor dir liegt, sind schwere Schritte, wohin sie führen, das ist dir bewusst; sind’s doch oft mühevolle Lebenstritte, die man zum Wandel erst durchlaufen muss.
Ich wünsche dir ein weises Handeln, mutig und stark wirst du dein Ziel erreichen; die Dunkelheit wird sich zum Lichte wandeln und neue Wege, hell, vor dir erleuchten.
Wenn die trüben Tage grauen, kalt und feindlich blickt die Welt, findet scheu sich dein Vertrauen ganz auf dich allein gestellt.
Aber in dich selbst verwiesen aus der alten Freuden Land, siehst du neuen Paradiesen deinen Glauben zugewandt.
Als dein Eigenstes erkennst du, was dir fremd und feind erschien, und mit neuem Namen nennst du dein Geschick und nimmst es hin.
Was dich zu erdrücken drohte, zeigt sich freundlich, atmet Geist, ist ein Führer, ist ein Bote, der dich hoch und höher weist.
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