Neues Jahr

Im Geheimen – Sulamith Wülfing

Das reine, nicht gelebte,
das, wie ein Buch,
mit leeren Seiten,
vom Leben selbst geschrieben,
mit Wahrheit, Hoffnung,
Krieg und Frieden,
mit Gutem und mit Bösem,
auf hellen oder dunklen Seiten,
zur Lebensfreude
oder gar zum Leid,
hält jeden neuen Tag
dir als Geschenk entgegen.
Wie du die Stunden füllen wirst,
mit Leben oder Tod,
mit Liebe, Abschied,
liegt in deiner Hand…
ist Gottes Plan.
Das alte Jahr verging;
Schicksale, die es trug,
sie knüpfen an und werfen Schatten
auf das unbefleckte, neue.
Im Buch des Lebens
schlägt Gott die nächste Seite um.
Fülle mit deinem Licht die Tage
deiner Jahre. Beleuchte alles Dunkle,
löse auf die Schatten, zu neuer Hoffnung,
in ewigem Kreislauf!

Alte Liebe

Nur deine Seele weiß,
dass wir zusammen waren,
vor tausenden von Erdenjahren,
als uns in fernem Land
die tiefe Liebe band,
und wir uns sehnten
nach den Blicken des anderen.

So viele Leben, die wir durchwanderten!
Und immer warst du fern,
doch tief im Herzen
blieben wir verbunden,
und funkelt in der Einsamkeit
des Alls ein Stern,
so seh‘ ich dich in
flücht’gen Traumsekunden.

Ich möcht‘ die Liebe fühlen,
die ich einst verlor
und in Erinnerungen wühlen,
denn ich fror,
bei meiner Seeleneinsamkeit,
der kühlen.

Namenloses Sehnen

Im Geheimen – Sulamith Wülfing 1901-1989

Du stehst im Dunkeln –
unerkannt,
verborgen dein Gesicht.
Nie wird dein Name mir genannt,
und wie ein Schatten tauchst du aus dem Licht.
 
Wer bist du, unbekanntes Wesen,
nach dem mein Herz so sehnend dürstet?
Wartest du schlummernd,
bis die Zeit gereift?
Siehst du nicht, wie sie gnadenlos ergreift
mein klagend Leben?
So wird sich bange Sehnsucht
in die Stunden weben
und mich verzweifeln lassen
an der Seeleneinsamkeit.
 
Ich bitte dich, oh Zeit,
nimm mir die finst’ren Qualen
und zeig im Licht, was du mir vorgesponnen!
 
Wird neue Liebe mir den Ausgleich zahlen,
für das Vertrauen, das sie einst genommen?

Weihnachtsweihe

Mondlicht08

Der Weihnacht Weihe

Gott zum Gruß, meine lieben Kinder!
 
Der Weihnacht Weihe sei euch gewünscht, und der weihnachtliche Friede sei euer Begleiter in den kommenden Tagen. Der König, der Geist, der von seinen Untertanen umgeben das Fest der Weihe begeht, bekommt neue Kraft und neue Macht, denn die Ströme besonderer Art durchfließen in diesen Tagen das Erdenleben und durchfließen von der Sonne ausgehend, alle Planetenkinder, die sie um sich gesammelt hält wie eine Mutter ihre Kinder oder wie der König seine Seelenteile, seine Untertanen. Es ist ein kosmisches Geschehen, das sich im Rhythmus des Jahres vollzieht, und Winter und Frühling sind nur Abbilder dieses Geschehens: Der Winter, das große Ruhn, die Rückkehr, die Einkehr in sich selbst, – der Frühling, das Ausstrahlen, das Geben dessen, was man im großen Ruhn erwarb.
 
Und nun will ich euch ein Bild dessen geben, den ich den König nannte. Ein Bild nur kann es sein, denn Selbsterkenntnis kann nicht geschenkt werden, sie ist ein Akt, den jeder von euch selbst vollziehen muss. Aber ein Bild mag euch helfen zur Selbsterkenntnis zu gelangen.
 
Ihr seid Ströme des lebendigen Wassers. In euch liegt die himmlische Macht, und ihr seid ein Teil der göttlichen Kraft. Das Wasser seht ihr auf eurer Erde in vielerlei Formen. Es fließt und befruchtet eure Äcker, und es kann erstarren und zu Eis werden. Wenn das Eis nun zu sich spräche und sagen würde: Ich bin hart, ich bin kalt, ich bin brüchig und todbringend, so hätte es recht. Wenn aber das Eis von sich spräche: Ich bin Wasser, ich kann fließen, Tiefen ausfüllen und Früchte dem Boden entlocken, so hätte es in höherem Sinne recht. Denn es spräche aus seinem höheren Bewusstsein, es spräche aus seiner Erinnerung. Und wenn es die Erinnerung nicht hätte, die Erinnerung an seine Macht behielte, auch wenn die Macht gebunden und unfähig ist, wie könnte das Eis je wieder zu Wasser werden?
 
Und so tragt auch ihr in eurer Erstarrung das Wissen und die Macht der Erlösung in euch. Ihr sprecht aus eurem verengten Bewusstsein, wenn ihr, wie im gegebenen Bild das zu Eis gewordene Wasser es tat, euch als Mensch im Körper, als Geschöpf der Erde, als ein begrenztes Wesen bezeichnet. Und dann seid ihr das, was ich den unweisen König nannte, und in diesem Zustand werdet ihr oft verdrängt und überwältigt von den Untertanen, die an eurer Stelle regieren.
 
Mit Recht sagt ihr von einem Menschen, der in Zorn gerät: „Der Zorn hat ihn überwältigt.“ und „Er ist außer sich.“ Das entspricht durchaus dem geistigen Vorgang. Die Untertanen, die aus irgendeinem Grund in Erregung sind, überwältigen ihren König und verweisen ihn außer Landes, um ihre Herrschaft aufzurichten.
 
Betrachtet daneben den Vorgang, der an sich der gleiche, dennoch ein anderer seiner Bedeutung nach ist: Ihr sagt von einem Menschen bei gewissen Gelegenheiten: „Er schließt sich auf.“ oder „Er geht aus sich heraus.“ Auch dieser König befindet sich außerhalb seiner Burg. Den Unterschied zwischen beiden bildet nur, dass dieser freiwillig seine Tore aufschließt und seine Burg in voller Ordnung zurücklässt, um einem anderen König entgegen zu gehen. Ein König im Exil ist etwas anderes als ein König auf Reisen, der Herrscher bleibt, auch wenn er fern seiner Mauern weilt.
 
Wenn ihr aber aus eurem höheren Wissen, wie in jenem Bild das Wasser es tat, von euch sprecht als dem fließenden Strom des lebendigen Wassers – das auch in der Abgesondertheit und Beschränktheit und Erstarrung dennoch alle Macht und alles Wissen um diese Macht besitzt, – dann seid ihr der weise König und vermögt zu erlösen. Denn jede Welle, die aus der Winterstarre erwachend ihre Kraft gegen die Eisdecke stemmt, hilft mit des Winters Macht zu brechen. Und indem sie sich selbst erlöst, erlöst sie die andern.
 
Aber auch Wasser ist, wie seine erstarrte Form, das Eis, noch nicht das Letzte. Es ist auch nur eine Form. Und was des Wassers Macht und Sein ist, steht hinter eurer Erdenerkenntnis, wie euer eigenes Sein euch selbst verborgen bleibt. Dieses tiefste Wesen aller Dinge ist dasjenige, das alles Wissen in sich schließt, das in jeder Form und in jeder Gestalt die Bewusstheit seiner selbst in sich entzünden kann.
 
Ströme lebendigen Wassers seid ihr. Alle Wesen und alle Dinge sind nur dies, und ihre vielen Formen mögen euch nicht täuschen. Sie sind nur vorübergehende Gestaltung. Und die Kräfte des Wiedererinnerns werden sie alle zerbrechen, und die Wesen werden alle zu ihrem wahren Selbst zurückfinden. Alles ist erstarrter Geist, aber alle Erstarrung wird weichen und auftauen.
Das Erinnern zu erwecken, die Brücke zwischen den Bewusstseinswelten zu schlagen, dies ist euch Erkenntnis. Auf diese Weise kommt ihr zurück. Und was ihr mitbringt aus der Welt der Erstarrung, ist das Erkennen eurer selbst, das ihr an vielen Zuständen und Formen geprüft und geschliffen habt, dass ein glänzender Diamant wurde, was jetzt noch ein ungeschliffener Edelstein ist.
 
Dazu helfe euch des hohen Festes heilige Weihe.
 
Gott mit euch!

<Ephides>
Band VIII, Turm-Verlag (1999)

Was werden soll wird

Was werden soll wird.

Das wissen wir und geben, damit weitergegeben wird und wissen, dass sich das Gewand des Werdenden webt und die Form dem Werden sich angemessen erweist. Eure Arbeit ist es, die Form zu finden, die Gewandung zu weben, unsere Aufgabe ist es, des Werdens Wächter und des Gebens Anreger zu sein.
 
Wir geben nicht, was wir haben, sondern was wir bekommen. So schöpfen wir aus der unerschöpflichen Fülle und werden nur immer reicher dabei. Wer nur gibt, was er hat, behält weniger, wenn er hergibt; wer aber gibt, was er bekommt, gibt aus dem Fließenden, Quellenden und muss hergeben, um Platz für Neues zu haben. So möchte ich dieses Geben im rechten Sinn verstanden ein Weiterleiten nennen.
 
Wir begrüßen Euch als Brüder und Helfer, wenn Ihr den Drang des Gebens in Euch verspürt und schenken lernt, wie es der rechte Sinn des Schenkens ist. Und was Ihr empfanget und weiterleitet, wirkt und wird wieder in anderen nach seinem Gesetz und nach seiner ihm gemäßen Art. Und da seid Ihr, wie wir bei Euch, die Anreger und könnt ruhig zusehen, wie das Werden sich verwandelt und in sein Gewand sich kleidet, da könnt ihr wissen, wie wir es wissen: Was werden soll, wird.
 
Es ist das Geben einem angeschlagenen Ton vergleichbar, der seine weiten Kreise zieht und seine tönenden Wellen aussendet. Was auf dem Weg seiner Wirksamkeit liegt, wird durchdrungen und durchklungen. Was schwingungsfähig ist, klingt und klingt umso schöner, je ähnlicher es der Tonschwingung ist. Was nicht zu schwingen vermag, bleibt stumm. Es hält die Tonwellen auf und lässt sie nicht hindurchfließen, aber dem Ton selbst kann es nichts anhaben. Der Ton bleibt rein und klar, mag auch viel Dumpfheit und Stumpfheit seine Wellen zu hemmen trachten. Sie gehen durch die Mauer hindurch, die stumm bleibt, und rühren die Herzen hinter der Mauer.
 
So lernt das Geben, das sorglose Geben, das Geben aus der Fülle!


EINE MAUER WILL ICH BAUEN um Dein Leben,
Kühle atmend soll sie schützend Dich umgeben.
Nicht aus Steinen, nur aus Deinen Lichtgedanken
Lass ich eine grüne Hecke Dich umranken.
 
Taten, die Du setzest, sind nun hohe Tannen,
wilde Rosen ihre Dornenbogen spannen,
Blüten blutend, wie in Deinen bittern Stunden,
segne sie, sie haben Deine Kraft entbunden.
 
Worte, Wünsche, die der Wind Dir zugetragen,
blühen hier umhegt und wissen viel zu sagen.
Eine Mauer will ich bauen um Dein Leben,
Deine selbst erkämpfte Kraft will ich Dir geben.
 
<Ephides>
 
(aus Band VII, Turm-Verlag, 1978)
 

Schicksale

William Adolphe Bouguereau 1825 – 1905

Wenn wir zusammensinken durch des Lebens Last,
den Himmel und die Sonne nicht mehr finden,
weil dunkler Schatten unser Herz erfasst
und unsre Seele schreit aus Höllengründen.
 
Wenn unser Kreuz zu groß wird, das wir tragen,
wir nur noch haltlos, schwankend weiterziehn,
bis wir in einsam dunklen Tagen
in keiner unserer Taten eine Zukunft sehn.
 
Wenn die Vergangenheit uns hält mit Klammerhänden,
belastet durch das Schicksal unsrer Ahnen;
wenn wir verzweifelt uns an die Verstorbnen wenden,
dann wird der Himmel uns zur Vorsicht mahnen.
 
Die Toten sind befreit von allen Bürden,
sie hatten ihre eigne Lebenslast zu tragen.
Ob sie die unsre helfend mindern würden,
das sollte man, dies würdigend, erfragen.
 
Zur Hilfe wird man viele gute Seelen finden,
aber auch solche, die noch sehr am Erdendasein haften;
die sich bei Aufruf fest an deine Aura binden,
dich dort verbleibend, negativ umnachten.
 
Drum lass im Dunkeln, was im Dunkel war verborgen,
habe Respekt vor Allem was einmal gewesen,
denn eine andere Macht wird für Beleuchtung sorgen,
und finstre Seelenflecken der Familie lösen.

Kirchenirrtümer

William Adolphe Bouguereau  1825-1905

Sehnsucht nach Hause brannte tief in unsren Herzen,
Erinnerungen an Lemuria, an ferne Welten.
Gedachten dem verlornen Paradies mit Schmerzen
und wussten doch, die Trennung wird nicht ewig gelten.
 
Sind seit Jahrtausenden mit dieser Welt verbunden,
wissend der Wurzeln längst vergangener Kulturen.
Des Mensch-Seins Höh’n und Tiefen haben wir empfunden,
die Weltgeschichte ist gefüllt mit unsren Spuren.
 
 Martyrium gehetzter Seelen, Qualen,
erlitten unter kirchlichem Geheiß, durch falsche Lehren.
Inquisition ließ uns mit Flammentod das Requiem bezahlen;
die Kirche war bemüht, die wahren Glaubenssätze umzukehren.
 
Inkarnationen ließen unsre alten Seelen reifen
und stets verbunden mit den fernen Himmelsmächten,
uns oftmals fragend an den Überlieferungen zweifeln.
Das Licht in uns begann das Kirchendogma anzufechten.
 
Mehr als vierhundert Jahre sind ins Land gegangen,
als Luthers Thesen päpstliche Erlässe reformierten,
doch blieb der Klerus stets im alten Netz gefangen,
auch wenn gelehrte Köpfe lautstark protestierten.
 
Nehmt Jesus endlich von den Kreuzen dieser Erde!
Mit seiner Himmelfahrt wollte er Zeugnis geben,
dass so vom Kreuz befreit das Leid zur Liebe werde,
Christ ist IN UNS die Auferstehung und das ewige Leben.

Paradies

Das irdische Paradies – Jan Brueghel  d. Ältere – 1568-1625

An einem fernen Ort am Welten-Ende,
da liegt ein Zauber, groß, wenn wir ihn fänden,
dann würde niemand mehr des Hungers darben,
und alle Menschen, die auf Erden starben,

sie würden aufersteh‘n zu neuem Leben,
es würde niemals wieder Kriege geben,
wir lebten friedlich ohne Hass und Neid,
vergangen wären Schmerz und Einsamkeit.

Durch diesen Zauber würde Böses gut.
Die ganze Menschheit plötzlich Gutes tut.
Krankheit und Tod, die würden nicht mehr sein,
vergessen wären Traurigkeit und Pein.

Die Zeit, sie wäre nicht mehr wichtig
und alle Religionen wären nichtig.

Es gäbe nur noch Jugend – keine Alten;
das Leben nach dem eignen Plan gestalten,
das könnte jeder Mensch nach seinem Willen
und Liebe würde unser Dasein füllen.

Wenn alle Hässlichkeiten schwinden,
würden wir hier nur Schönheit finden.
 So würden schließlich alle Grenzen fallen,
und diese Welt gehörte endlich allen.

Die alte Schwingung würd’ es nicht mehr geben,
nur stetes Glücksgefühl und ew’ges Leben.
Die Dimensionen würden transparent,
wir wären gottesnah und ihm nicht fremd.

Es gäbe keine Reinkarnation,
nur noch das Hier und Jetzt in höchster Lebensform.
 Kein Gestern und kein Morgen würd’ uns quälen;
nur eines müssten wir für alle Zeiten wählen:

Dass wir, um Tod und Teufel abzuschwören,
nie mehr ein Kinderlachen hören!

Lebensende

William Adolphe Bouguereau 1825 – 1905

Wenn Ängste vor dem Tod auf deiner Seele brennen,
schaue nach innen und du wirst erkennen,
dass tief in deinem Herzen etwas lebt,
das dir auf deine Fragen eine Antwort gibt.
 
Bevor die letzten Schleier sich enthüllen,
hast du dein Karma hier auf Erden zu erfüllen.
 
Fiktion und Wirklichkeiten sich verbinden;
des Rätsels Lösung wirst du später finden,
wenn irgendwann der letzte Vorhang fällt,
kommen Erinnerungen an die andre Welt.
 
Du wirst zum Licht am Tunnel-Ende gehn
und freudevoll Glückseligkeiten sehn.
 
Es werden alle Zweifel, alle Fragen schwinden
und altvertraut wirst du den Weg nach Hause finden.
 
Die Engel leiten dich mit Regenbogenstrahlen
und Sternenstaub wird Glanz auf deine Seele malen.
 
Du wirst dein Leben nochmals vor dir sehn,
dir alle Fehler, die du machtest, eingestehn.
 
Kein Leid, kein Schmerz wird dich begleiten,
nur Gottesliebe ist bei dir in Ewigkeiten.
 
Sie schmiegt sich warm um dich und hüllt dich ein;
du wirst in Liebe unter deinen Lieben sein.
 
Es wird entschieden, ob dein Leben gut war oder nicht,
hast du dein Ziel verfehlt, wird neues Leben Pflicht.
 
Erfüllte Leben deiner Seele Aufschwung bringen,
bald darfst du ewiglich in Gottesnähe schwingen.