Rückblick

Anselm Feuerbach (1829-1880)

Singend übers Land gezogen ist man einst in frühen Zeiten,
doch die Liederwelt von damals scheint längst aus dem Kopf zu gleiten.

Wenn im „Frühtau man zu Berge“ durch die stillen Wege zog
und mit Liedern auf den Lippen in sich frische Waldluft sog,

hörte man die Vögel singen, wie der Amsel Sehnsuchtsklang,
lehnt man heute dieses Klingen störend ab, im Alltagsdrang,

und das Lärmen der Motoren und die regen Menschenströme
werden nicht mehr wahrgenommen, sind heut‘ akzeptierte Töne.

Störend, sei der Schrei des Hahnes, der den neuen Tag begrüßte,
und man grollt, dass man dem Vogel bald den Hals umdrehen müsste.

Ich wünsch mir die Zeiten wieder, wo die Tage heil und labend,
und ein stiller Zauber ging durch den milden Sommerabend.

Doch die Stadt im Alltagsgrau, liegt im Regen der Moderne –
sehn die Einfachheit zurück, mit dem Blick weit in die Ferne,

und mit klarem Blick zum Himmel, möchte ich die Sterne sehen,
um in Dunkelheit der Nacht, lichte Tage zu verstehen.

Geschenkte Worte

Zugeflüstert – William-Adolphe Bouguereau (1825-1905)

Kommt der Schöpfer allem Sein entgegen,
schenkt er diesem Sonnentag den Segen,
öffnen sich die Blühten nach dem Licht,
das sich an des Lebens Schatten bricht.

Mit dem Dichten schwebender Gedanken,
tasten Worte sich, wie grüne Ranken,
sind Verdichtung hier, wie ein Gebet,
das in Dankbarkeit zum Himmel schwebt,

Möchte mit viel Tiefe weitergeben,
Worte, die geschenkt sind meinem Leben.

Dichterseele

Johann Wolfgang von Goethe zum Geburtstag am 28. August 1749

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832

Geh’ durch die Stadt, die ich so liebte,
suchend mein Blick nach all’ den Plätzen
der fernen Zeit, die gnadenlos einst siebte,
die guten von den wenig guten Sätzen,
 
die ich einmal zu schreiben wagte.
So viele Bücher, die ich füllte –
und oft, erst als der Morgen tagte,
sich meine Dichtersehnsucht stillte.
 
Die Zeilen rannen aufs Papier,
mal zäh, mal flossen sie in Strömen.
Oft landete mein Denken schier
auch neben den erlaubten Tönen.
 
War ich gesellschaftlich gebunden,
so war doch frei mein Dichterband,
das sich so manches Mal verschlungen
um wohl verbot’ne Wege wand.
 
Ich blieb geachtet, viel zitiert,
war Mittelpunkt des Zeitgeschehens,
ich kritisierte unbeirrt,
hab’ Fehler spät erst eingesehen.
 
War ich doch Zünglein an der Waage
für manche Zukunft federführend,
verhielt mich oft nach Stimmungslage,
zu dominant und ungebührend.
 
Der Liebe Bänder, die ich knüpfte,
hab’ ich genauso schnell zerschnitten,
wenn rasch mein Herz vor Freuden hüpfte,
ist’s schon ins Einerlei entglitten.
 
Ich war autark, zu Neuem offen,
mit ungestillter Gier aufs Leben.
So wie mein Wirken, groß mein Hoffen,
ich könnt’ ein wenig Hilfe geben,
 
an alle, die sie brauchend nehmen.
Ich bleibe unsichtbar den Blicken,
zu lindern euer irdisch’ Grämen
bin ich gewillt in großen Stücken.
 
Wenn meine Worte euch erreichen,
und eure Seelen mich erkennen,
wird Kummer schnell der Freude weichen
und Hoffnung in den Herzen brennen.
 
Denn dieses Leben ist nur eines
von vielen, die uns Gott beschert;
im Hintergrund hat ein geheimes
so manches Stück euch schon gelehrt.
 
D’rum öffnet euch dem Unsichtbaren,
erkennt die kosmischen Gesetze,
denn alte Leben, die einst waren,
erhalten ihre neuen Plätze.

nach einer Kreidezeichnung von Josef Karl Stieler

Heiliger Geist – Kraft des Lebens

Erschaffung Adams – Michelangelo Buonarroti (1465-1564)

Wer verbirgt sich hinter den vielen Namen, mit denen wir den Großen Geist ansprechen? Welche Gestalt hat Er, welches Wesen? Ist Er der alte Mann mit dem weißen Vollbart, der auf einem Thron sitzend das Universum regiert? Manche Menschen denken tatsächlich immer noch so.

Der Große Geist ist kein persönliches, rachsüchtiges, grausames, despotisches Wesen. Er ist das Naturgesetz und der Geist dahinter, die Kraft, die für den grenzenlosen Kosmos verantwortlich ist und ohne die das Leben in seinen Myriaden von Erscheinungsformen nicht funktionieren könnte. Er ist die Kraft, die das Leben selbst ist, die Ursubstanz, aus der alles Leben besteht. Sie umfasst das Winzigste und das Majestätischste. Wir haben nur eine Ahnung von dem, was wir wirklich sind, denn unsere Eigenschaften und geistigen Fähigkeiten sind bei unserer Geburt auf dieser Welt eingeschränkt. Eine Geburt ist wie ein Sterben aus der geistigen Welt in die materielle Welt hinein.

Unsere Aufgabe bei der Inkarnation besteht darin, mehr von der angeborenen Göttlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Dieser Ausdruck ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist, denn die Entwicklung ist wie der Große Geist unendlich. Automatisch drückt sich der menschliche Geist in allen Tugenden aus, in Taten der Güte, der Freundlichkeit, des Mitgefühls, der Toleranz, des Mitleids, der Barmherzigkeit, der Freundschaft, der Zuneigung, der Liebe. Je mehr Gutes man tut, desto größer ist der Geist, der sich manifestiert.

Dabei geht es auch um das Gute, das wir unserer eigenen Person tun, indem wir zum Beispiel aufhören zu rauchen oder dem Alkohol abschwören. Dann wird der ‚Film des Lebens‘ neu gedreht. Es geht darum, die physische Natur zu beruhigen, das Gehirn zur Ruhe zu bringen und das Auftauchen des inneren Individuums zu fördern, um eine größere Harmonie mit den geistigen Kräften des Lebens zu erreichen. Im Wesentlichen geht es darum, sich aus dem Strom der Materie in die Stille des Geistes zurückzuziehen. Jeder Einzelne muss den Weg für sich selbst finden.

Ich konnte feststellen, dass ich zum Empfänger einer größeren Inspiration geworden bin. Die psychische Seite meines Wesens hat sich entfaltet. Es entwickelte sich der spirituelle Aspekt, und die Kraft, die zu den höheren Bereichen des Lebens gehört, strömte in mein Wesen ein.

Mit 50 Jahren habe ich begonnen, Gedichte und Romane zu schreiben. Sie sind für mich Ausdruck der geistigen Entwicklung geworden – mein Weg zur Selbstfindung und der Gotteserfahrung.

Jeder Mensch, der seiner spirituellen Natur erlaubt, die Überlegenheit zu erlangen, die ihr natürlicher Zustand ist, wächst an innerer Weisheit, die Frieden, Verständnis, Zuversicht, Gelassenheit und das Bewusstsein für eine wahre Beziehung zur ewigen Macht in sich trägt.

Acker des Lebens

Vincent van Gogh (1853-1890)

Lebensacker – ihn zu pflügen,
ihm zu schenken, neues Blühen,
neue Mühen einzubinden
und mit jeder Sicht ergründen,
dass die neue Saat gediehen;
und die Kraft, vom Geist geliehen,
nach dem Mühen und Vollbringen,
in der Ernte wiederfinden.

Das, was wuchs, fehl und verdorben,
Unkraut lastig abgestorben;
alle Mühen, alles Ringen,
war umsonst, nur ein Misslingen,
wo in dürren, müden Schollen,
Saaten nicht gedeihen wollen.
Pflüge um den Acker, pflüge,
der bedeckt mit Fehl und Lüge!

Das, was uns das Mühen lernte,
ist die Ernte!

Schachspiel des Lebens

Faust und Mephisto – Moritz Friedrich A. Retzsch (1779-1857)

Hölzern stehen die Figuren,
stets bereit zum Vorwärtsgehen.
Führen Krieg in Spielstrukturen,
fallen lautlos und bequem.

Platzgenau stehn sie am Orte,
der für sie gegeben ist,
und sie spielen ohne Worte,
unterliegen mancher List.

Augenmerk auf fremden Zügen
wird des Spielers Pflichtgebot.
Spricht das Handeln andrer Lügen,
wird ein Bauernopfer Not.

Was mit leichter Hand verschoben,
sind Figuren auf dem Brett,
Zug auf Zug in sich verwoben
machen Denken zum Duett.

So wird aus Fehlern, falschem Handeln,
geschärfter Weitblick und Verstand.
Verluste in Gewinn verwandeln,
liegt in des Spielers kluger Hand.

Froh und frei magst du die Wege
auf des Lebens Schachbrett gehen,
gib den Zügen der Figuren
stets ein lächelndes Verstehen.

Bewerte Sieg und Niederlage
nur als des Erlebens Zweck,
wo in des Schattenkampfes Waage
du Seelenkraft bist, nicht das Brett.

Unruhige Nächte

Quelle: https://www.eurekalert.org/news-releases/904006?language=german
Leben scheint wieder schneller geworden,
Vollmond hat unruhige Nächte gebracht,
Träume mit fremden Menschenhorden,
redende Münder, die sprachlos gemacht.

Am hohen Himmel 3D Hologramme -
ich steh auf der Straße, folg ihrer Sicht:
Raumschiffe, kriegerische Belange,
Künftiges in bedrohlichem Licht.

Still und mahnend ziehen sie dort,
wie Wolken, doch bildhaft, in Zukunft gehüllt.
Ein übles Traumbild – ich denk mich fort:
Wieder ein Ort, mit erschreckendem Bild!

Hochschwanger bin ich, soll gleich entbinden,
bekomme Ärzte zur Seite gestellt;
allesamt mühen sich. Nicht zu ergründen,
ob ich dann Neues bringe zur Welt.

Werd‘ wieder tief in Schlaf versinken,
wenn neue Träume, wie Tropfen regnen,
will die bittren und süßen trinken,
als Geistesblitze genießen und segnen.

Vergänglichkeit

Spätsommer – Hans Andersen Brendekilde (1857-1942)

Der Sommer schreitet still, mit langen Schatten,
sein goldener Glanz, verregnet und verhangen;
wo ihn die letzte Hitze kühlte, hat Herbst angefangen,
und Blattwerk liegt auf Straßen und Rabatten,
die eingegrenzt in Parks von Wegen trennen,
bepflanzt in bunte Sommerblumenfarben,
doch nun erblasst und müde in der Wärme starben
und die Vergänglichkeit beim Namen nennen.

Überlegungen

Bild von Lothar Dieterich auf Pixabay
Wäre nicht der Hass der Menschen
und das Unglück ihres Handelns,
gäb es nicht so viele Wege,
die das Leben düster wandeln.

Wär der Mensch nur glatt gestrickt,
der nichts Krauses hätt‘ im Sinn,
herrschte hier nur bloßes Glück,
ohne geistigen Gewinn.

Beides leben, Glanz und Schatten,
unbedingt zu lieben lernen;
um nach tödlichem Ermatten
aufzusteigen zu den Sternen.

Einst aus Sternenstaub gegeben,
reisen wir zurück ins Schweigen,
wäre nicht der Drang nach Leben,
würden wir im Nichts verbleiben.

Doch wir treiben durch die Zeiten,
hoffnungsfreudig immer weiter,
steigen über fernste Weiten,
furchtlos, höher auf der Leiter.

Gleichgeschlechtliche Liebe

Quelle: Pinterest –https://kassis-shop.de/

Gleichgeschlechtliche Beziehungen gab es schon in biblischen Zeiten, auch Pädophilie. Ich erinnere hier an die Lustknaben in den Tempeln und an Jungfrauen, die unbefleckt von sexuellen Handlungen, alten Männern als Ehefrauen gereicht wurden. Die Jungfrau Maria war erst 12 Jahre alt, als sie schwanger wurde. Heutzutage wird das immer noch praktiziert. Frauen galten im Altertum, bis hin in unsere Zeit, als minderwertig im Denken und Handeln. Sie hatten die Männer mit Nahrung zu versorgen und Kinder zu gebären. All diese Dinge könnte man mit dem Titel: „Den Männern zur Lust“ versehen.

Geht es der Menschheit um Liebe oder um Lust an Sexualität?

Die wahre Liebe ist die Vereinigung zweier Seelen. Der Große Geist hat in unendlicher Weisheit bestimmt, dass jedes der beiden Geschlechter den anderen ergänzt. Und dort, wo die vollständige Verschmelzung stattfindet, lebt die wahre Liebe, denn jeder liefert, was dem anderen fehlt, und die Dualität bildet die Einheit. Da sie ein Teil des unendlichen Geistes ist, hat sie eine zahllose Anzahl von Variationen, die von der niedrigsten bis zur höchsten reichen, von der magnetischen und physischen körperlichen Anziehung über die mentale bis hin zur geistigen, die die Grundlage ist. In dieser Welt ist sie sehr selten. Sie ist Ausnahme, nicht die Regel, und obwohl man manches Mal bei der Wahl des Partners denkt: „Das ist meine bessere Hälfte.“, wird die Verbundenheit durch irgendeine Fremdheit unterbrochen.

Wenn sich zwei ‚gleiche‘ Seelen treffen und zueinander finden, bilden sie im Leben ein Ganzes. DAS ist die natürliche Ehe der Seelen. Es ist die uralte Lehre von den Affinitäten, den Seelenverwandtschaften, die ihren Ausdruck finden. In einem Prozess, der Millionen und Abermillionen von Jahren dauert, kann man sehen, dass das Zusammentreffen von zwei Hälften oder Affinitäten nicht üblich ist, weil sie etwa zur gleichen Zeit geboren werden müssen. Wenn dies der Fall ist, ist es Teil des göttlichen Plans. Liebe ist, als größte Kraft dieses Plans, völlig geschlechtsneutral.

Das heißt, dass die Fortpflanzung eine untergeordnete Rolle spielt, denn sie kann auch ohne Liebe stattfinden. Lt. Religion der Kirchen sind Sexualität und Kindererziehung in gleichgeschlechtlichen Beziehungen von Gott verboten. Der Große Geist fordert in seinen Geboten, dass man Körper und Seele anderer Menschen nicht verletzen soll. Eine Partnerschaft, die auf Liebe beruht, ist niemals verboten. Zum Wohle der Kinder sollte die Homophobie der Gesellschaft zu denken geben, die sich später auf die Kinder ausweiten könnte.

Jegliche Homophobie ist zu verurteilen!  Scheinheilige Lügen ebenfalls! Von einer vertrauenswürdigen Person in Kirchenkreisen wurde ein hoher Prozentsatz als homosexuell benannt. Doch die Pfaffen schweben immer noch engelgleich über den Erdboden, um ihre zölibatäre Lebenslüge zu demonstrieren.  

Homosexuelle Liebe gab es zwischen David und Jonathan in der Bibel. In Davids Klagelied zum Tode Jonathans heißt es (2.Samuel,1,26): „Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan, du warst mir so hold! Deine Liebe war mir köstlicher als Frauenliebe!“

und bei 1. Samuel 18, 4 heißt es: „Und Jonathan schloss einen Bund mit David, weil er ihn liebhatte wie sein eigenes Leben.“

Die Kirchen betonen natürlich weiterhin, dass es zwischen den Beiden keine sexuellen Handlungen gegeben haben soll. (Anscheinend war man dabei?) Zumindest David war mehrfach verheiratet. Wer’s glauben mag!

Ich wünsche jedem Menschen die Liebe des Großen Geistes.