Die Farbe Lila

Bild von Janusz Nowak auf Pixabay
Die Sonne verstärkt noch einmal ihr Strahlen
wie ein letztes Mal für längere Zeit.
Mit milderem Licht kann sie herbstlich malen,
streift ab das leuchtende Sommerkleid.

Die Wolken treiben anders am Himmel,
geballt zieht‘s vorbei, vor Azurblau und Licht.
Wie am Meer, so groß ist das Gewimmel,
das schneller als sonst zerfließend bricht.

Ein Lila trägt der Aster erstes Blühen
als Formation „Verwandlung“ im Gewand,
und nach des Windes stürmisch wildem Ziehen,
strebt sie als Zögling duftlos ihm voran.

Die Winterheide treibt in Nebelschwaden,
in unermüdlich reicher Pracht,
und auf noch sommerlich erhellten Pfaden
ist längst der Herbst gekommen, über Nacht.

Alltagsflucht

Bild von Caro Sodar auf Pixabay

All der Hast entfliehen,
die Eile der Menschen mit Abstand betrachten,
deren betriebsames Verschwinden in der Menge,
unfähig,
der Enge zu entkommen,
die sie bedrückt.

Die Gesellschaft,
mit all ihren Meinungen und Fragen –
oberflächlich und der Norm entsprechend;
den widerstrebenden Gefühlen
dieser scheinbar kalten Gegenwart,
deren quälende Entscheidungen
zwischen Wagnis und Niederlage,
der Stimme des Zeitgeistes folgt.

Sich loszusagen von den Vielen,
die ihre Sorgen verdrängen
durch betäubende Genüsse.
Böses Erwachen ignorieren,
das innerlich verbrennt
durch wachsende Unzufriedenheit,
in tödlich selbstgemachter Hölle.

In Einsamkeit und Stille zu sich selbst kommen!
Die Verworrenheit glätten durch Ruhe und Einsicht.

In der Seele,
wo die tiefen Empfindungen wachsen,
aufspringen auf den Zug des Verstehens,
der Entbehrungen leichter trägt,
der hilft,
Sorgen und Ängste zu durchfahren
in Hoffnung und Geduld,
um an der Endstation
Glaube und Liebe
anzukommen.

Ursprung des Menschseins

Wo das Menschsein begann in tiefer Ursprünglichkeit,
wo sich das Land noch bildete, gemächlich und weit,

in dem die Steppen noch lebten im Wildsein der Welt,
die Wüsten blühten wie ein unendliches Feld.

Wo die Natur noch lebte im göttlich harmonischen Sinn,
eins war mit der sich bildenden Welt zu Beginn.

Dort erhob sich das Leben, noch namenlos und frei,
im Glauben, dass das Licht ein Leuchten des Ursprungs sei.

Die klagende Symphonie von Licht und Schatten begann,
als von afrikanischem Boden der Schrei des Tötens drang.

Die Weißen, sie legten in Ketten jede menschliche Hand
und nahmen sich alles, was zur Nutzung sich fand.

In Blut tauchten sie herrschend Wasser und Land;
schlugen tiefe Spuren in Herzen und Wüstensand.

Im Westen wuchs der Reichtum der Mörder und Diebe,
die Familien raubten, wie Vieh, ohne Nächstenliebe.

Generationen vergingen, doch des Ursprungs uralte Kraft
hat aus Prozessen des Wandels Zukunft gemacht.

Der Schmerz der Ketten von damals im inneren Drang,
wandelt den Strahl der Geschichte in Freiheitsgesang.

Herbstliches Licht

Quelle: Pinterest
Der Mensch kämpft sich durch letzte Sommertage -
die Sonne schneidet tief, mit heißer Klinge;
drückend verweht im Nichts die Hoch-Zeitlage
und reicht dem Herbst den Schlüssel zum Gelingen.

Bald schiebt der Himmel Schattenwände zu
und über letzte Rosenblüten treibt der Wind;
bald findet kühl umhüllt so mancher Ruh
und Regen macht die Fensterscheiben blind.

Gemüter, die so gerne Blumen pflegen,
werden dann ruhen und auf Astern sehen,
die neben Heidepflanzen, Sturm und Regen
den Übergang zum Dunkel überstehen.

Schon bald wird neuer Wind von Norden wehen,
treibt vor sich her, was längst vergangen ist;
er scharrt um sich die Blätter auf den Wegen
und tritt verjüngt ins herbstlich kühle Licht.

Denken und Handeln

Heilige Geometrie – Blume des Lebens
Wie alles vergeht, wie alles verschwindet,
was wir geliebt und was uns verhasst!
Alles, was uns hier auf Erden verbindet,
wird uns zuteil, weil’s die Seele erfasst.

Denn jedes Tun, jede Tat, die berührend,
erhebt kurz das Denken und Fühlen ins Licht.
Streift uns das Leid, im Schmerz, den wir spüren,
zeigt sich des Lebenssinns wahres Gesicht.

Drängt uns zu neuem Denken und Handeln,
entflammt Empathie mit heilender Kraft,
erlöst uns selbst von Verwirrtheit mit Wandel,
nährt die Materie durch geistige Macht.

Erblast

Sumpf-Herzblatt
Schlamm bedeckt wurd‘ einst der Böse,
endete im tiefen Sumpfe,
als sein Blut im Herzen kreiste,
ethisch erbbelastet pumpte.

Schlimmer Erbteil rief und lockte
seiner Herkunft zu entsprechen,
führte seines Körpers sinnen
hin zu Totschlag und Verbrechen.

Um den Hals zog‘s eng und enger,
wie die schwere Eisenkette
im Verlies der Blutsverwandten;
war dort niemals der Adrette.

Sein verschwelter Docht erlosch,
als man ihn gefangen bindet;
war auf düstren Gaunerwegen
niemand, der sein Lichtlein zündet.

Harte Fron ließ ihn erschaudern,
wollte diesem Ort entschwinden -
nicht zurück in seine Welt,
wo ihn alte Flüche binden.

Er entkam, verließ die Mauern
und die Fesseln, die ihn banden,
hetzte in das Moor der Sümpfe,
wollt‘ auf sicherer Seite landen.

Doch die schwere Eisenkette
hing ihm noch an seinem Halse,
zog ihn unsanft in die Tiefe,
in den Schlamm, wie eine Walze.

Manchmal, wie ein holdes Wunder,
sieht man sie im Sumpfe stehen.
Rein und schneeweiß ist die Krone
ihrer Blütenpracht zu sehen.

Schlamm bedeckt sind ihre Wurzeln
und im Sumpf der Zeit versteckt,
doch sie treibt in weißer Reinheit,
die sich hin zur Sonne streckt.

Tropfenbänder

Tropfenbänder glitzernd hängen
an den Zweigen, Ast für Ast;
zu den alten, neue drängen –
feuchte, regenschwere Last.
 
Lassen sich hinunter rieseln
auf das kalte Weltengrau;
fallen prasselnd oder nieselnd,
glänzen klar wie Morgentau.
 
Tausend Wasserperlenketten –
nasser Schmuck im Laub der Bäume.
Die Natur liegt in den Betten,
spinnt sich warme Sonnenträume.

Gerechtigkeit

Vom Leuchten der Wirklichkeit – Carl Blechen (1798-1840)
Wie gern möchte ich euch schreiben
von der sinkenden Abendsonne,
von Bäumen, die sich verneigen
mit majestätisch beugender Krone.

Wie gern möcht‘ ich deuten die Stille,
die in bereits herbstlicher Nacht
unterliegt dem natürlichen Willen,
der den Sommer vertrieb, der vollbracht.

Im Traum kanns nur sein, sich zu denken,
die Erde sei friedlich und frei
mit Menschen, die sich beschränken,
damit Leben gerechter sei.

Wie gern schaue ich zu den Sternen
und wünsche mir sehnlichst herbei,
dass Kinder Krieg nicht mehr lernen
und die Welt paradiesischer sei.

Unsterblich

Zu spät – Herbert Gustave Schmalz (1856-1835)
Gleichgültig ist der Tod und blind scheint er,
erlöst die Hoffnungslosen wie die Hoffnungsvollen.
Nur als Erfüller kommt er gnädig her,
muss seinem hohen Auftrag Achtung zollen.

Aus unserer Mitte fort; aus unserem Leben
reißt er die Liebsten uns von unseren Herzen.
Lässt nur Erinnerungen hier mit wehem Beben,
das uns durchwühlt im Sog der Schmerzen.

Festhalten will man die geliebten Wesen,
die unserem Dasein unersetzlich schienen;
würden sie tragen, deren Kranksein zum Genesen,
sie ewig nur behalten und auf immer dienen.

Nichts hält den Tod auf, weder Tür noch Wand;
ist stets ein Ahnen, das im Innersten verweilt.
Der Geist im Körper, der die Seele band,
ist hier erloschen, nur entglitten in der Zeit.

Gestorben, neu geboren und zurück ins Licht,
ätherisch höherschwingend ist der Leib.
Was hier beschränkt, lebt dort mit anderer Sicht,
nimmt all das wahr, was hier verborgen bleibt.
Großes Erwachen – Herbert Gustave Schmalz (1856-1935)

Es gibt ein Gesetz der Anziehung, genauso wie es ein Gesetz der Abstoßung gibt. Es gibt ein Gesetz, das besagt, dass dort, wo es Seelen-Verwandtschaft gibt, diese automatisch wirkt. Die Liebe gehört, wie die Kraft des Geistes, zu den größten Kräften im Universum. In der Bibel steht, dass die Liebe die Erfüllung des Gesetzes ist, denn der Große Geist ist der Inbegriff von Liebe und Weisheit.

Woher kommt der Geist, der alle Körper lebend macht? Er kommt vom Höchsten Geist, vom Schöpfer, vom Großen Geist, von Gott, von der Gottheit, von Allah oder wie auch immer man Ihn nennen mag. Dieser Geist ist die Dynamik, die es allen ermöglicht, zu existieren, zu atmen, sich zu bewegen, alle Gefühle zu haben und sich auszudrücken.

Man kann in keinem Labor den Geist sezieren. Der Mensch kann auch kein Leben erschaffen, nicht mal ein Ei, eine Pflanze oder ein Insekt. Wie niedrig die Form des Lebens auch sein mag, sie kann vom Menschen nicht hergestellt werden, weil das Leben nicht physisch ist.

Die nächste Frage wird sein: „Was ist dieser Geistkörper und woraus besteht er?“ Bisher haben Wissenschaftler nur bewiesen, dass das, was wir normalerweise sehen, nur die Oberfläche ist, was wir die Realität nennen. Wenn wir einen Tisch betrachten, scheint er solide zu sein, aber er ist es nicht. Das ist eine Illusion. Die Physiker können zeigen, dass er nicht fest ist, dass er aus winzigen Kräften besteht, die Elektronen, Protonen, Neutronen und Atome genannt werden.

Es gibt einige Menschen, und das gilt für Kinder, wenn sie jung sind, die mit Augen und Ohren sehen und hören können, die zum Geistkörper gehören, der ein Duplikat seines physischen Gegenstücks ist. Es gibt viele Menschen, die diesen Geistkörper sehen können, weil sie ihre geistigen Augen benutzen können. Und andere können hören, was dieser Geistkörper zu sagen hat, weil sie in der Lage sind, ihre geistigen Ohren zu öffnen.

Es gibt Geräte, Radio und Fernsehen, die Schwingungen empfangen können, die die Ohren nicht wahrnehmen. All dies bedeutet, dass wir in einer Welt leben, die voller wundersamer Dinge ist, die wir nicht sehen oder hören können, weil unsere physischen Sinne eingeschränkt sind.

Ich würde sagen, dass alles, was wir sehen, nur der Schatten ist, der von der Sonne der Realität geworfen wird, dass unsere Augen und unsere Ohren in der Lage sind, Schwingungen innerhalb eines sehr begrenzten Bereichs zu registrieren. Es gibt Lichtwellen, die sich so schnell oder langsam bewegen, dass die physischen Augen sie nicht wahrnehmen können. Aber ein Teleskop oder Mikroskop kann tun, was die Augen nicht können. In ähnlicher Weise gibt es Töne, die sich zu schnell oder zu langsam bewegen, als dass unsere Ohren sie wahrnehmen könnten.

Wir sind Teil des Universums. Es ist ein langer Prozess, bis wir erkennen, dass ein übergeordneter Plan dahintersteckt. Es braucht Zeit, bis die Erkenntnis dämmert, es muss eine Krise geben, eine Schwierigkeit, vielleicht das, was man eine Tragödie nennt, die den Katalysator liefert, damit der Geist sich seiner selbst bewusst wird. Sobald dies geschieht, wird eine magnetische Verbindung mit der geistigen Welt hergestellt, die nie mehr unterbrochen werden kann.

Blutmond im September

Quelle: Pinterest
Sogar die Träume werden mehr und voller,
die Füllung ist speziell voll dunkler Zeichen.
Der Schlaf, wenn man ihn ruft, dann grollt er,
nach Mitternacht vertieft will er nicht weichen.

Im Hirn da spinnen all die Taggedanken
ein feines Netz aus Dunkelheit und Licht,
und wie ein Efeu tasten dessen Ranken
ins tiefe REM hinein bis Tag anbricht.
Mary Henrietta Dering Curtois (1854-1929)
In einem Krankenhaus, alt und verfallen,
da steht mein Bett, um mich sind Helfer, viele,
ein Strauß aus Kunststoffblumen ziert die Halle
in der ich jung und krank im Siechtum liege.

Die Zeichen an der Wand – ich will sie fassen,
hör‘ wie es flüstert, wie’s mein Innen ballt,
als würd‘ ein Faustschlag mich gewinnen lassen,
die Angst verlieren, die mein Herz umkrallt.

Gedanken kämpfen, doch die Ängste siegen.
Ein stiller Engel steht an meinem Bett,
nimmt den Verstand mir, gibt dem Innern Frieden.
Unsichtbar singen Stimmen im Duett

sirenenhafte Warnsignale an die Welt!
Malte man gar den Teufel an die Wand,
die tief im Traume auseinanderfällt? –
Mein Bett ist leer, der Raum, in dem es stand.

Der Strauß aus Kunststoffblumen strahlt in Rot,
ein Friedhof voller Blumen ziert die Nacht.
Gekränzte Halle, menschenleer, wie tot -
betrübt bin ich nach schwerem Traum erwacht.