Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt und manche Tanne ahnt, wie balde sie fromm und lichterheilig wird, und lauscht hinaus. Den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin – bereit, und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Herrlichkeit.
Die Morgenröte der Möglichkeiten erwacht im Lichtstrahl der Erkenntnis; der Dunkelheit entstiegen, erweckt sein, voll von Gottvertrauen, Leben fühlen und getragen sein von Vollkommenheit, die begeistert, einen unbekannten Weg zu gehen, das Wofür zu finden im tieferen Sinn, ihn anzunehmen, auf die Zukunft gerichtet durch höhere Macht, von ersten zaghaften Schritten, hin zur letzten Wegstrecke des Alters. In der Stille der Dämmerung, sich als Kind fühlen, das geborgen ist im Gegenwärtigen, deren Hände ruhen vor dem Dunkelwerden, das im höchsten Glück vollendend geistig macht.
Ich wollt‘ kein Jahr zurück, nur eine einz‘ge Stunde, in der ich alle Lieben wiederfinde, und mich vor dieser tot gemeinten Runde verbeuge und in Demut mich verbinde; stehn würde ich vor einem trüben Bild, vor denen, die mir gut gewesen oder nicht… gleichgültig, grausam, mild – so streute sich das Maß der Dinge, denn ohne all die vielen Wandler meiner längst vergangenen Stunden, ob leidvoll oder liebend und in Harmonie verbunden, wäre ich nicht die ICH BIN, es ist doch alles Eins: umschwebt von Gottes Sinn.
White are the far-off plains, and white The fading forests grow; The wind dies out along the height And denser still the snow, A gathering weight on roof and tree Falls down scarce audibly.
The road before me smooths and fills Apace, and all about The fences dwindle, and the hills Are blotted slowly out; The naked trees loom spectrally Into the dim white sky.
The meadows and far-sheeted streams Lie still without a sound; Like some soft minister of dreams The snow-fall hoods me round; In wood and water, earth and air, A silence everywhere.
Save when at lonely intervals Some farmer’s sleigh, urged on, With rustling runner and sharp bells, Swings by me and is gone; Or from the empty waste I hear A sound remote and clear;
The barking of a dog, or call To cattle, sharply pealed, Borne, echoing from some wayside stall Or barnyard far afield;
Then all is silent and the snow falls Settling soft and slow The evening deepens and the grey Folds closer earth and sky The world seems shrouded, far away.
Its noises sleep, and I as secret as Yon buried stream plod dumbly on and dream…
Schnee
Weiß sind die fernen Ebenen, und weiß werden die schwindenden Wälder; der Wind erstirbt auf der Höhe, und dichter noch wird der Schnee, der sich auf Dach und Baum sammelt und kaum hörbar niederfällt.
Die Straße vor mir glättet sich und füllt sich schnell, und ringsumher werden die Zäune weniger, und die Hügel verschwinden langsam; die nackten Bäume ragen gespenstisch in den trüben weißen Himmel.
Die Wiesen und die weiten Bäche liegen still, ohne einen Laut; Wie ein sanfter Minister der Träume umhüllt mich der Schneefall; In Wald und Wasser, Erde und Luft, Überall Stille.
Es sei denn, dass in einsamen Augenblicken ein Bauernschlitten mit raschelnden Kufen und schrillen Glocken an mir vorbeizieht und wieder verschwindet, oder dass ich aus der leeren Einöde einen fernen, klaren Klang höre;
Das Bellen eines Hundes oder der Ruf des Viehs, der von einem Stall am Wegesrand oder einer Scheune in der Ferne widerhallt;
Dann ist alles still und der Schnee fällt leise und langsam Der Abend wird tiefer und das Grau faltet Erde und Himmel zusammen Die Welt scheint verhüllt, weit weg.
Ihre Geräusche schlafen, und ich, heimlich, wie ein begrabener Bach, tappe stumm weiter und träume…
Ships on a Stormy Sea – Raden Saleh Ben Jaggia (1811-1880)
Aus Felswänden pocht es, wie ein zaghaftes Schlagen -
ein Pulsen der Sehnsucht nach Freiheit der Quelle,
deren versickernde Wasser dem Stein unterlagen,
bis ein Sturmwind durchbrach ihre steinerne Zelle.
Der Herzschlag der Erde, pulst unter Grabmalen;
die Liebe erstarrt durch die Kälte der Welt.
Ist nur noch ein Wort, das als Hülse getragen,
ein Erinnern an den geistigen Ursprung enthält.
In der Stille hörst du das Pochen der Quelle,
die den Weg ans Licht der Sonne sich bahnt.
Erst, als kleines Plätschern, dann in rauschender Schnelle,
wird sie zum Strom, der die Weltmeere ahnt.
Seinen Weg erkennend, trägt er mächtige Schiffe,
mit kostbarer Fracht, zu münden in endloser See,
treibt hin zum Glück, trotz der steinernen Riffe;
die Berufung, zu tragen, ist genommenes Weh.
Hört sie pochen, die Sehnsuchtsherzen, habt acht;
sind barmherzig auf göttlicher Quelle getragen,
bis die Liebe im wärmenden Atem erwacht,
in den Herzen der Menschheit an erlösenden Tagen.
In Lehrsätzen gefangen, durch Glaubensbekenntnisse und Dogmen gebunden, durch Menschen dieser Welt verblendet, die den Geist des Lichts benutzen, um ihren eigenen Glanz zu erhellen und mit spirituellem Scheinwissen prahlen, anstatt Suchende mit dem Wissen um alles, was der Geist hat, zu bereichern, sind unwissend um ihre Einschränkung, die nicht von Gott kommt.
Es bleiben unter den Blinden, die eine Vision haben sollten.
Dunkelheit durch Licht ersetzen, Unwissenheit durch Wissen, den Müden Kraft schenken, Durstigen zu trinken und denen Orientierung geben, zur Verwirklichung nach dem göttlichen Plan, ist göttliche Macht, die Kraft des Geistes mit offenem Herzen empfangen, Heilung der Seele!
Die alte Zeit ist fort. Mit ihr Generationen. Auf Sand des Einst ist unsre Welt gebaut, als winziges Atom, das schlummert in Ionen. Ihr Bild, verklärt, nur Abbild, mild ergraut.
Verklärte Zeit! Was ist von dir geblieben, wenn das Gedenken manche Wahrheit schönt? Wie war dein Früher? Ist es übertrieben… ist es ein falsches Bild von dir, das uns verhöhnt?
Der Sand der Gegenwart lässt Schritte schwanken. Mein Blick mag ungern manche Wahrheit schauen. So manche Nacht gefüllt mit Taggedanken, die kreisten bis zum nächsten Morgengrauen.
An Fetzen der Vergangenheit zu kleben, fest in sich tragend altes Zeitgeschehen; ringen nach Luft im Wellentanz des Lebens, im Auf und Ab, wie Treibholz und vergehen.
Im Gebet: „Herr, erlöse uns von dem Bösen…“, klingt es anders als früher, denn „Das Böse“ hat plötzlich Namen. Die Welt ist voll von diesen Namen.
Aber müsste man nicht zunächst klären, was oder wer überhaupt „böse“ ist? Der Mensch mit seinem dreidimensionalen Wesen ist in seinem Blick beschränkt. Sind Menschen böse durch ihre Handlungen, durch ihre Empathielosigkeit? Wer oder was treibt sie dazu?
Laut Maya-Kalender leben wir am 7. Schöpfungstag. Der Übergang zum 8. Tag wird ähnlich sein wie die Sintflut, die bereits im Gilgamesch-Epos und später in der Bibel beschrieben worden ist. Diese Dimension muss enden, damit die nächste beginnen kann, sowie der 7. Tag der Schöpfung enden wird.
Gen 6,17: (Gott sprach) Ich will nämlich die Flut über die Erde bringen, um alle Wesen aus Fleisch unter dem Himmel, alles, was Lebensgeist in sich hat, zu verderben. Alles auf Erden soll verenden.
Erzählt diese Geschichte von einem ‚bösen‘ Gott? ER war derjenige, der beschlossen hat, alle Lebendigkeit auf Erden zu vernichten, weil die „Wesen der Erde voller Gewalttaten waren“.
Die Bibel ist voll von Geschichten, wie zum Beispiel die Teilung des Meerwassers durch Moses, mittels von Gott gegebener Zauberkraft, damit die Israeliten Ägypten verlassen konnten, mit anschließender Tötung der Verfolger im Auftrag des Pharaos in 600 Streitwagen mit je 3 Männern besetzt.
Ob sich diese Berichte tatsächlich so ereignet haben, ist Nebensache. Man darf sie nicht dreidimensional sehen, sondern sollte den tieferen Sinn darin zu finden versuchen. Wieder war eine Zeitdimension zu Ende – eine neue begann.
Die Zeit läuft im Eilschritt davon. Mit ihr die dritte Dimension in ihrer Art des Denkens, Fühlens und Verhaltens. Sie entschwindet, muss sich verändern. Jeder Mensch wird wechseln zum Bewusstsein der vierten Dimension, gefolgt von der fünften etc. Mit höherem Bewusstsein wächst die Sicht auf spirituelle Wahrheiten, die in der vierten Dimension verborgen bleiben.
Man fühlt sich mitverantwortlich für die Armen, Unterdrückten dieser Welt und möchte jede Hohlheit verdammen. Gewisse Taten kann man nicht fassen, die in der Politik geschehen oder im Krieg mitten in Europa. Ich denke oft, dass es besser wäre, wenn der Eine oder Andere nicht mehr da wären. Dann wieder: Es sind doch auch nur Menschen.
Ist es deren eigenes Bedürfnis zu töten, töten zu lassen oder steckt eine ‚höhere Macht‘ dahinter? Ist das biblische Wort: „ Alles auf Erden soll verenden.“, wieder an der Zeit, aktuell zu sein?
Wer oder was ist Werkzeug zur Umsetzung der Naturgesetze des Großen Geistes, um auf diesem Planeten ein harmonisches Miteinander zu erreichen? Die plötzliche Entschleierung meines Wesens erschreckt mich, wenn ich meinen inneren Weg der Gewaltlosigkeit verlassen muss, um meinem Gerechtigkeitssinn und meiner Nächstenliebe entsprechend zu handeln.
Der Pfad der Versuchung ist schmal und das Innerste meiner Seele bleibt ein „verschleiertes Bild “. Hin und wieder wird einer dieser Schleier gehoben. Das allzu Menschliche, das dort manchmal zum Vorschein kommt, gefällt mir ganz und gar nicht.
Auch, wenn man meint, ‚man würde gegen Windmühlen kämpfen‘, möchte ich mich nicht von den würgenden Konflikten des Molochs „Zeitgeist“ erdrücken lassen. Irgendwie muss man, und besonders dann, dem christlichen Glauben und den ethischen Grundsätzen gerecht werden.
Sehr wohl darf ich das ungerechte Tun gewissenloser Mitmenschen anprangern. Aber das Tun liegt nicht in der Tat, die sich als letzte Auswirkung darstellt. Es liegt bereits im Denken, jenseits des Werdenden und Gewordenen. Können wir die Welt verbessern, wenn wir Taten erzwingen oder Taten unterdrücken? Das setzt nur Gewalt gegen Gewalt, Irrtum gegen Irrtum. Frieden lässt sich nicht erkämpfen. Man wird niemals den Schauplatz des Kampfes verlassen.
Man muss die trüben Quellen der Gedanken mit reinem Wasser klären. Jede Näherung der Quellen ist ein Schritt zur neuen Erkenntnis und tieferem Verstehen. Die Ereignisse, die der Mensch jetzt nicht beherrschen kann, und gegen die er kämpft, werden sich wandeln und verändern, weil er selbst sich gewandelt hat. Dann wird der Weg in die nächste Dimension ein Spaziergang sein.
Dies ist der Sinn der Worte des Heilands: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch dieses alles zufallen.“
Der Menschen Hände sind gefüllt mit Schwere, ein tiefes Weh darin, das von den Seelen fällt; ein Steinwurf weit, der sie befreit und leere, was wund belastet ihre kranke Welt.
Gefangen hält der tiefe Tränengrund, bis ihre Klagen und ihr Leid vergehen, die Heilung naht zu unbekannter Stund; vorbei die Trübnis, wenn sie Hoffnung sehen.
Die Wahrheit, die im tiefen Grund verborgen, hat längst gewandelt Weh zum Fundament, das dort in Schmerzen heil und stark geworden, vom Trug befreit, den Sinn und Zweck erkennt.
Foto: Gisela Seidel – Goethe und Schiller Denkmal in Weimar
Beim Betrachten der modernen Dichtung frage ich mich oft: „Was würden Goethe und Schiller dazu sagen?“ Ob Verswissenschaft oder Bauchgefühl: Poesie sollte einen gewissen Schönheitsanspruch an sich selbst stellen und nicht nur wie ein „Brainstorming“, wenige, für Uneingeweihte nicht erklärbare, oft sogar unschöne Worte beinhalten.
Hier möchte ich Immanuel Kant zitieren, der u. a. folgende Aussage machte: [..] In der Dichtkunst kann sich das Vermögen ästhetischer Ideen „in seinem ganzen Maße“ zeigen [..] oder weiter [..] Die Dichtkunst verdankt fast gänzlich dem Genie ihren Ursprung und nimmt den obersten Rang unter den Künsten ein.
Ist denn die ästhetische Urteilskraft, in der das Gefühl der Schönheit wurzelt, in der heutigen Gesellschaft nahezu verloren gegangen? Gibt es überhaupt ein objektives Prinzip des Geschmacks oder der Schönheit?
Schiller sah Kunst als Erlebnis. Er war der Überzeugung, dass nur DAS Werk schön zu nennen sei, das dieses Erlebnis der ästhetischen Freiheit auszulösen vermochte. In seinen Kallias-Briefen schrieb er: „…Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung.“ Diese Freiheit gelangt uns dadurch zum Bewusstsein, dass wir nicht genötigt werden, nach einem Grund der Erscheinung zu fragen, der außerhalb des Gegenstandes liegt. Schön sei die Form, die sich selbst erklärt.
Man kann gewiss die Welt der Wissenschaft erlernen, was man mit Universitätsabschlüssen belegen kann. Menschen lieben derartige Zeugnisse, obwohl der Absolvent eines Germanistik-Studiums keine tiefgreifende Dichtung zustande bringen vermag, weil ihm das Gefühl dafür fehlt.
Ob die Dichtkunst den obersten Rang unter den Künsten einnimmt, kann ich nicht beurteilen. Zu Zeiten, in denen Kant gelebt hat, war die Dichtung etwas Erhabenes und viel mehr als nur ein Brotjob. Möglicherweise steht die Musik einen Rang darüber. Beides klangvoll zu vereinen ist eine große Kunst.
Taktgefühl vermitteln kann niemand, wenn man es nicht fühlt. Die Ästhetik ist in der modernen Lyrik leider größtenteils verloren gegangen. Da kann nichts mehr fließen. Da gibt es keine Sprachschönheit mehr, wenig Aussagekraft und keine Poesie.
Deshalb schreibe ich Gedichte und Gedanken in einer alten Form, obwohl manche denken, die sei obsolet wie ihre Schreiberin. Meine Gedichte mögen nicht in die Zeit passen, lassen mich jedoch fühlen, was mir in der modernen Schreibweise verborgen bleibt. Sie erschließt sich mir nicht.
Auch wenige Worte können viel aussagen. Verdichtete Gedanken sind das Konzentrat, mit dem Gott die Welt erschuf.
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