Wertlos

Caspar David Friedrich 1774-1840

Wertlos sind heut manche Sachen,
die mir einmal wichtig waren.
Und nach vielen, langen Jahren
kann ich nun darüber lachen.

Menschen, Werte, Liebe, Leiden,
sie vergeh’n im Strom der Zeit.
Hat sie uns vom Trug befreit,
bringt sie lächelnd späte Freuden.

Gerade noch gestreichelt, später
ist’s die Andre. Wie verlogen
wird so manches Herz betrogen!
Der Geliebte wird zum Täter.

Was uns glänzend blendet, stumpft,
Liebe ist ein Wort – nicht mehr!
Hier auf Erden fehlt uns sehr,
was in höchsten Himmeln trumpft.

Es ist gut, dass manches endet!
Liebe trübt so oft die Sicht,
und bei hellem Tageslicht
wird der schöne Schein gewendet.

Wir verlieren unsre Träume,
deren Wahrheit wir erwarten,
denn im großen Liebesgarten
wachsen viel zu hohe Bäume.

Vergangenheit

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Caspar David Friedrich 1774-1840

Gewesen ist, was längst vorbei,
doch liegt Vergangnes in den Zellen,
schäumt die Erinnerung dabei
sich manchmal auf zu Sturmeswellen.
 
Hast du verdrängt die alten Lasten,
so stecken sie doch tief in dir;
du willst zu neuen Dingen hasten,
blockierst dir selbst die offne Tür.
 
Will die Erfahrung dunkel trüben
die wahre Sicht, die gar nicht schlecht,
lässt dich dein Zweifeln unterliegen –
wird der Vergangenheit gerecht.
 
Die Zeit hüllt den Vergessensschleier
um alle Dinge, die geschehn,
denk‘ an den Morgen, werde freier,
dann wirst du bald die Sonne sehn.

Kind sein

Zug aus Streichholzschachteln. Quelle: Pinterest

Schon wieder Tag!
Die kurze Nacht hängt noch in meinen Knochen.

Kind möcht‘ ich sein,
das freudig aus dem Bett gekrochen,
das voller Neugier auf die Mutter blickte,
ein süßes Brötchen in den Händchen drückte.

Das draußen eine Wunderwelt beschaute,
aus Streichholzdosen bunte Züge baute.
Mit ausgedienten Schachteln spielte,
darin das Fallobst aus dem Garten füllte.

Das jedes Kärtchen, jedes Blatt verwahrte,
sich in die Hüte des Rhabarberblatts vernarrte,
und Kirschen, als die schönsten Ohrgehänge,
im Sommer zeigte in der Menge.

Kind möcht‘ ich sein,
mit Baumel-Beinchen auf der Bank,
Rhabarberstangen in der kleinen Hand,
genüsslich in den Zucker tauchen;
zufrieden in den Himmel schauen.

Die ‚alte Schachtel‘ bin ich selbst geworden.
Schon wieder Tag! Es kommt ein neuer Morgen.
Ich sehe traurig ein, nach all den Jahren:
Mein Zug ist doch längst abgefahren.

Haiku

Gedanken-Bilder,
eingesperrt in Rahmen,
der, viel zu klein,
nur wenig zeigen mag.

Ich mag sie nicht,
die eingegrenzten Armen,
fixiert, gefühllos,
wohl dosierte Tags*.

Sind wie ein Bonsai,
ein gestutzter Riese,
bezwungne Kraft,
von Menschenhand
dressiert.

Sind wie das Ändern
einer göttlichen Devise,
nur an der Zahl der
Silben interessiert.

*Tag=HTML – Markup

Lebensende

William Adolphe Bouguereau 1825 – 1905

Wenn Ängste vor dem Tod auf deiner Seele brennen,
schaue nach innen und du wirst erkennen,
dass tief in deinem Herzen etwas lebt,
das dir auf deine Fragen eine Antwort gibt.
 
Bevor die letzten Schleier sich enthüllen,
hast du dein Karma hier auf Erden zu erfüllen.
 
Fiktion und Wirklichkeiten sich verbinden;
des Rätsels Lösung wirst du später finden,
wenn irgendwann der letzte Vorhang fällt,
kommen Erinnerungen an die andre Welt.
 
Du wirst zum Licht am Tunnel-Ende gehn
und freudevoll Glückseligkeiten sehn.
 
Es werden alle Zweifel, alle Fragen schwinden
und altvertraut wirst du den Weg nach Hause finden.
 
Die Engel leiten dich mit Regenbogenstrahlen
und Sternenstaub wird Glanz auf deine Seele malen.
 
Du wirst dein Leben nochmals vor dir sehn,
dir alle Fehler, die du machtest, eingestehn.
 
Kein Leid, kein Schmerz wird dich begleiten,
nur Gottesliebe ist bei dir in Ewigkeiten.
 
Sie schmiegt sich warm um dich und hüllt dich ein;
du wirst in Liebe unter deinen Lieben sein.
 
Es wird entschieden, ob dein Leben gut war oder nicht,
hast du dein Ziel verfehlt, wird neues Leben Pflicht.
 
Erfüllte Leben deiner Seele Aufschwung bringen,
bald darfst du ewiglich in Gottesnähe schwingen.

Kirchenirrtümer

William Adolphe Bouguereau  1825-1905

Sehnsucht nach Hause brannte tief in unsren Herzen,
Erinnerungen an Lemuria, an ferne Welten.
Gedachten dem verlornen Paradies mit Schmerzen
und wussten doch, die Trennung wird nicht ewig gelten.
 
Sind seit Jahrtausenden mit dieser Welt verbunden,
wissend der Wurzeln längst vergangener Kulturen.
Des Mensch-Seins Höh’n und Tiefen haben wir empfunden,
die Weltgeschichte ist gefüllt mit unsren Spuren.
 
 Martyrium gehetzter Seelen, Qualen,
erlitten unter kirchlichem Geheiß, durch falsche Lehren.
Inquisition ließ uns mit Flammentod das Requiem bezahlen;
die Kirche war bemüht, die wahren Glaubenssätze umzukehren.
 
Inkarnationen ließen unsre alten Seelen reifen
und stets verbunden mit den fernen Himmelsmächten,
uns oftmals fragend an den Überlieferungen zweifeln.
Das Licht in uns begann das Kirchendogma anzufechten.
 
Mehr als vierhundert Jahre sind ins Land gegangen,
als Luthers Thesen päpstliche Erlässe reformierten,
doch blieb der Klerus stets im alten Netz gefangen,
auch wenn gelehrte Köpfe lautstark protestierten.
 
Nehmt Jesus endlich von den Kreuzen dieser Erde!
Mit seiner Himmelfahrt wollte er Zeugnis geben,
dass so vom Kreuz befreit das Leid zur Liebe werde,
Christ ist IN UNS die Auferstehung und das ewige Leben.

David gegen Goliath

Maximilian Pirner (1854-1924) – Der Tod

So stark fühlt sich doch mancher Held,
dem Schicksal überlegen.
Er raubt den ander‘n Gut und Geld,
stemmt seine Macht dagegen.

Er meuchelt Mensch, schlachtet das Tier;
hat Blut an seinen Händen.
Er bläht sich auf, lügt dort und hier,
die Ich-Sucht will nicht enden.

Doch ist der Gegner winzig klein,
und schwerlich auszumachen,
bekämpft die Wissenschaft allein
die unsichtbaren Sachen.

Die sind viel stärker als gedacht,
schlagen die Weltverbände.
Die Weltbeherrscher, die gelacht,
sind ahnungslos am Ende.

Es beugt sich Mensch, im Demutsgang,
so sonderbar verbunden;
Reichtum und Macht sind hier vertan,
gelähmt die Wirtschaftsstunden.

Der Untergang der Welt scheint nah;
die Lügner stehn und schreien.
Die Gräber sind schon offenbar –
wer kann sich das verzeihen?!

Es stirbt doch nur das alte Volk,
seht nur, der Tod, er wartet.
Er fordert Leben, seinen Sold
und pflügt den Wohlstandsgarten.

Niemand kann fliehen, dem entgehen,
keiner ist auserkoren.
Wen hat das Schicksal vorgesehen?
Der Held hat längst verloren!

Trugschluss

John William Waterhouse  1849-1917

Manche Träume, die träumt man allein,
des Abends bei flackernden Kerzen,
manch eine Treue ist leider nur Schein,
die Wahrheit erkennt man mit Schmerzen.
 
Manch einen Wandel durchlebet die Zeit,
was gestern geglänzt, steht durchrostet.
Schnell friert die Liebe im eisigen Kleid,
Wärme von einst ist durchfrostet.
 
Vermeintliches Gold wird zum wertlosen Tand,
blättert ab von brillanter Attrappe.
Nimmt dem Edlen das Feine, die entblößende Hand,
wird das Hartgold zur biegsamen Pappe!
 
Manch eine Liebe ist Alltag und Pflicht,
manch eine bringt Wachstum und Segen.
Gefühl und Vertrauen, wenn beides bricht,
sinkt die Sonne im Schatten des Regens.