Zum Gedenken

Jahresgedenken 2020

mit 4 Jahren…
mit 7 Jahren

panta rhei – alles fließt, nichts bleibt. (Heraklit)

So, wie das Wasser fließt,
bist du mir fortgenommen,
getrieben durch den Strom der Zeit.

Was Zukunft schien,
ist schicksalhaft verronnen.
Einzig die Liebe ist und bleibt.

Ich höre deine letzten Worte.
Verdrängt hab ich
dein letztes „Hab dich lieb“.

Doch eine kalte Hand
griff durch die Jenseitspforte
und nahm dich mir,
leis, wie ein Dieb.

Den Ängsten trugst du
Lächeln in die Stille.
Doch in der Ferne
hielt der Tod die Zeiger an.

In deinem Zimmer
lag allein die leere Hülle.
Ihr folgten tiefer Schmerz
und Trauer dann.

Patrick Seidel


Leider wurde mein jüngster Sohn Ende Oktober 2019 durch einen plötzlichen Herztod, im Alter von 37 Jahren, heimberufen.  

Wir bleiben verbundene Seelen und werden uns mit Gottes Hilfe irgendwann wiederfinden.
Mein Lieblingsmensch ist  – wie wir alle – auf dem Weg nach Hause. Ich hoffe, er erlebt leibbefreit eine glückselige Zeit.

10 Gedanken zu „Zum Gedenken“

  1. Ich stehe am Ufer.
    Ein Schiff entfaltet seine weißen Segel in der morgendlichen Brise und gleitet aufs Meer hinaus.
    Ich verharre und schaue ihm nach, bis es am Horizont entschwindet, und jemand an meiner Seite sagt:
    „Es ist verschwunden.“
    Wohin verschwunden?
    Der Verlust der Sicht liegt an mir, nicht an dem Schiff.
    Im selben Augenblick, da jemand sagt, es ist verschwunden,
    erblicken es andere und sehen es kommen.
    Andere Stimmen erheben sich und rufen freudig aus:
    „Da kommt es!“ – so ist das Sterben.
    – Henry Scott Holland

    Diese Welt ist einer Vorhalle,
    die kommende einem Palast gleich. – Der Talmud

    Der Himmel ist ein Land, in dem Kinder unter immergrünen Bäumen und über federnd weichen Rasen gehen werden. Die Früchte, die sie essen und an denen sie sich erfreuen, werden sie auch heilen. Sie werden das kühlste Wasser frisch vom Fluss des Lebens trinken, und genug Platz haben herumzutollen, zu baden, zu springen und zu laufen, und wo auch immer sie ihren Blick hinwenden, werden sie in die freundlichen augen von Christus schauen. – Thomas Moore
    https://lassesfunken.com/2015/02/27/825/

    1. Danke, liebe Charotte, für Deinen Kommentar,

      Die Worte von Henry Scott Holland sind tröstlich: Tod bedeutet gar nichts.

      Ich bin nur nach nebenan verschwunden.
      Ich bin ich und du bist du.
      Was immer wir füreinander waren, das sind wir noch.
      Nenne mich bei dem alten vertrauten Namen.
      Sprich von mir, wie du es immer getan hast.
      Ändere nicht deinen Tonfall.
      Zwinge dich nicht zu aufgesetzter Feierlichkeit oder Traurigkeit.
      Lache weiterhin über die kleinen Scherze, an denen wir gemeinsam Spaß hatten.
      Spiele, lächle, denke an mich, bete für mich.
      Lass meinen Namen weiterhin so geläufig sein, wie er immer war.
      Sprich ihn unbekümmert aus, ohne die Spur eines Schattens.
      Das Leben bedeutet all das, was es bisher bedeutete.
      Es ist genauso wie immer.
      Es geht uneingeschränkt und ununterbrochen weiter.
      Ist der Tod nicht nur ein unbedeutender Zwischenfall?
      Warum sollte ich vergessen sein, nur weil du mich nicht mehr siehst?
      Ich warte einstweilen auf dich, ganz in der Nähe, nur um die Ecke.
      Alles ist gut.

      Ich denke auch, dass alles gut ist. Mein Sohn ist immer bei mir, und ihm kann, dort wo er ist, nichts Böses geschehen.
      Im Wahrtraum wurde er durch ein Telefonat abberufen. Er verschwand hinter einer Glastüre…und ist ganz in der Nähe, nur um die Ecke.
      Gott ist freundlich…wir werden uns wiederfinden!

      Herzliche Grüße von Gisela

    1. Ich danke Dir von Herzen, lieber Werner,
      wenn man alt ist und klapprig, wie ich, denkt man nicht daran, dass der Sohn zuerst gehen wird.
      Gott hatte eigene Pläne.
      Dein Händedruck hat mir gut getan. Danke!

      Liebe Grüße
      Gisela

  2. Liebe Gisela unbeschreiblich wie du deine Liebe und Verbundenheit in Worte fasst.
    Solch ein Verlust ist der Alptraum jeder Mutter. Umso bewunderst werter deine Stärke. In Gedanken bin ich bei dir.. wünsche dir weiterhin viel Kraft.
    Verbundene Grüße Anke

  3. Liebe Gisela,

    das berührt mich sehr … weil es auch so unfassbar ist.
    Man kann keine richtigen Worte dafür finden, es gibt keine.
    Die Bilder sind so schön und so schmerzlich.
    Schön, dass auch auf diesen Seiten ein Platz für deinen Sohn ist.

    Liebste Grüße von Karin

    1. Liebe Karin,
      es war mir wie ein inneres Verlangen, diese Seite für meinen Sohn zu gestalten.
      Schön, dass Du sie gefunden hast und lieben Dank für Deine Worte.

      Herzliche Grüße
      Gisela

  4. Liebe Gisela, das Gedicht ist so herzlich und gefühlvoll…nur der Grund dafür leider so sehr traurig…wer ihn kannte, weiss was du verloren hast und welchen tiefen Krater es in dein Herz reisst. Ich drücke dich und wünsche dir viel Kraft. Herzlichst Martina

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